Wie ich Schuhe bestellte und einen Schrank bekam..

Weil ich gnadenlos hartnäckig bin und nicht glauben kann, daß auf diesem Globus nicht doch irgendwo schwerölgestankfreie Gummistiefel verkauft werden, bestelle ich noch einmal vier Paare unterschiedlicher Provenienz zur Schnupperprobe.

Ich wähle den Versandhändler, bei dem die Frauen im TV immer so orgiastisch Uaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhh kreischen.
Das möchte ich beim DHL-Boten meines Vertrauens persönlich ausprobieren.

Als ich ein paar Tage später nach Hause komme, schellt das Telefon.
Meine nette Nachbarin von unten.

Ich habe Ihr Paket angenommen.
Wollen wir es kurz gemeinsam hochtragen?

Gemeinsam?

Als sie mir die Tür öffnet, verstehe ich.
Neben ihr steht ein Karton, der ihren halben Flur versperrt.
Ich habe Freundinnen, die glatt darin wohnen könnten.

Kein Wunder, daß sie ihn schnell loswerden will.
Die arme Frau kommt ja kaum mehr ins Wohnzimmer.

Ist ja nett, daß die gleich einen Schuhschrank dazu liefern.
Wäre aber nicht nötig gewesen.

Gemeinsam schleppen wir das Ungetüm die Treppe hinauf in meinen Flur.
Da steht es nun.

Die Stiefel, die nicht riechen, passen nicht.
Die Stiefel, die passen, riechen.

Also müssen leider alle zurück.
Nur: ich bekomme den Karton nicht mehr bewegt.

Ich rufe also dort an und frage nach, wie das denn gedacht ist.

Normalersweise machen wir das nicht mit einer Abholung, aber auuusnahmsweise, sagt der junge Mann.

Darauf gehe ich jetzt nicht ein.

Ich hab gerade „Hormone“.
Das könnte zu unübersehbaren verbalen Ausfällen führen.

Sie müssen an dem Tag von 8-18 Uhr zuhause sein.

Von 8-18 Uhr??
Wenn ich selbst eine Abholung buche, kann ich doch Zeitfenster bestimmen.

Ja, sagt der junge Mann, wir haben aber einen Rahmenvertrag mit DHL für Abholungen und der sieht Zeitfenster nicht vor.

Ein Rahmenvertrag mit DHL für Abholungen, wenn Sie das normalerweise nie machen?

Darauf geht jetzt er nicht ein.

Bestellen Sie doch nächstes Mal alles einzeln.
Dann bekommen Sie kleinere Pakete.

Ich merke, daß ich etwas ungehalten werde.

E-T-W-A-S U-N-G-E-H-A-L-T-E-N…

Sie können da ja nichts für, sage ich und beiße nebenbei unbemerkt in die Tischplatte, aber finden Sie nicht, es wäre ein Gedanke wert, daß Ihr Unternehmen VON ALLEINE festlegt, nicht zig paar Stiefelkartons in einer Einheit zu verpacken?

Wir gehen ja auch davon aus, daß Sie zwei bis drei Paar Schuhe behalten..

Und dadurch schrumpft automatisch der Pappkarton-Schrank in sich zusammen?

Und wer um Himmels willen hat schon mal erlebt, daß von vier Paar Schuhen drei passen?
Pantoffeln vielleicht.

Wir reden hier aber von Damenschuhen und nicht irgendso einem Schluffmaterial, das sich sockenartig um die Füße schlingt.

Außerdem: wäre das Paket bei der Post abgegeben worden, hätte ich es ungeschrumpft abholen müssen.
Wie hätte dies funktionieren sollen ohne Bodybuilder-Freund und Kleinlaster?

Das waren recht viele Argumente auf einmal.

Jetzt weiß der junge Mann gar nicht mehr weiter.
Fast tut er mir leid.

Ich betone nochmal, daß er ja nichts dafür kann, aber meinen Vorschlag doch bitte gefälligst umgehend mit hoher Priorität mal ins Prozessverbesserungsvorschlagssystem einhacken solle.

Da ich keinen Nerv habe, von 8-18 Uhr auf das microkurze Paketlieferantentürklingeln zu lauschen, das man nur wahrnimmt, wenn man im Flur campiert, beschließe ich, das Problem irgendwie alleine zu lösen und verabschiede mich.

Jetzt bin ich so wütend, daß ich das Riesenpaket in die Seite trete.
Es kippt um und sagt nichts mehr.

Da kommt mir eine Idee.
Ich könnte es die Treppe herunter treten.

Dann könnte ich es die ganze Straße bis zur Straßenbahnhaltestelle entlang treten und allen, die da stehen klarmachen, daß ihnen gleiches wiederfährt, wenn sie nicht mithelfen, den Schrank in die Bahn zu bugsieren.

Ich bekäme sogar Strafmilderung vor Gericht.
Yes.

Das habe ich schon mal gelesen.
Frauen „mit Hormonen“ sind vermindert haftbar zu machen.

Oh, wäre das ein Spaß!
Meine Nachbarn, die sonst so gerne schauen, was ich gerade mache, würden sich vorsichtig hinter der Tür zu verstecken – die Notrufnummer in der Hand.

Rumms, rumms, rumms.

Aber weil ich ganz beherrscht bin, ja sooo beherrscht, bestelle ich auf eigene Kosten eine Abholung mit Zeitfenster.
Vermutlich bin ich an dem Tag also wieder ab 6 Uhr wach.

Als ich fertig bin mit meinen Betrachtungen, finde ich eine E-Mail.

Danke für das freundliche Telefonat, beginnt die Mail, und verkündet, meinen Vorschlag weiterzugeben.

Das freundliche Telefonat?
Uaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhhhhhhhh!