Seit inzwischen über neun Jahren lebe ich in Hamburg. Eher unfreiwillig, aber das ist ein anderes Thema. Mord, Totschlag, Schiessereien und Gewalt sind hier inzwischen an der Tagesordnung. Ich nehme als Fenster-offen-Schläferin deutlich wahr, wie über die Jahre immer mehr Einsatzwagen in der Ferne durch die Nächte jagen.

Nun hat es am Donnerstag mal ein Tötungsdelikt in die überregionalen Medien geschafft. Nur kurz natürlich. Und die meisten Überschriften suggerierten auffällig lange einen Unfall.

Als wären der Südsudanese und die Iranerin gleichzeitig auf dem Gleis der U-Bahn in Wandsbek gestolpert und versehentlich zusammen ins Gleis geplumpst. Wenn aber eine Person eine zweite Person gezielt zu sich zieht und mit in den Tod reißt, ist dies mindestens Totschlag, wenn nicht Mord.

Im schönen Ruhrgebiet geboren und aufgewachsen, marschierte ich mit vielen Träumen in meine Wunsch-Zukunft. Forschen. Schreiben. Frei sein. Kein Haus, keine Ehe, kein Kind. Lieber die Welt erkunden, vielleicht als Reisejournalistin.

Nach einem Magister in Geschichte und Germanistik startete ich voller Freude mit meinen Promotionsforschungen im Stadtarchiv von Stralsund. Die beste Zeit meines Lebens! Plötzlich wurde es für einen Moment ganz still: Dicker, fetter Hirntumor.