„Weiter rechts. Noch weiter. Jetzt etwas höher. Ja, so bleiben.“ Und dann stand sie da, das an dem Tag zuständige Mädel in unserer Wohngemeinschaft. Mit der Zimmerantenne über ihrem Kopf und einem Arm, der langsam erlahmte. Oder einschlief. Je, nachdem, was zuerst stattfand.
Das Abstellen der Antenne lohnte sich nicht, dafür änderte sich der Empfang zu oft in unsere Dachwohnung. Und da, wo gerade Empfang war, gab es selten ein Regal. Und so stand sie dort und luscherte um die Ecke mit auf den kleinen Schwarz-Weiss-Fernseher. Während die anderen vier gebannt auf das krisselige Bild starrten.
Damals Anfang der 90er. Als ich zum Studium in eine WG zog, in der die Zimmer einzeln vermietet wurden. Wir konnten einander nicht aussuchen. Einmal war ich die Neue. Danach viele andere. Das war eine tolle Zeit.
Besonders toll war es, wenn Meisterschaften im Herren-Schwimmen stattfanden. Vor dem Internet konnte man ja nicht entscheiden, wann und wo man etwas schaute. Entweder man sass pünktlich zur Zeit der Übertragung neben den anderen auf der Bettkante der Zimmerbesitzerin. Oder man hatte es eben verpasst. Und der Effekt von Herren-Schwimmen verliert sich bekanntermassen gewaltig, wenn man die Bilder hinterher erzählt bekommt.
So sassen wir wie die Hühner auf der Stange und liessen die gerade amtierende Antennenhalterin hin und her hopsen. Dabei riefen wir uns wie auf einer Auktion in Grund und Boden. „Ich nehm Italien!“ und „Guck Dir den an!! Guck ihn Dir an!!!! Hast Du den gesehen???!“ – „Schrei doch nicht so. Ich bin doch nicht blind.“
Da konnte man nicht sicher sein. Denn das Krissel-Bild wechselte gerne mal in ein hysterisches horizontales Bildlaufen. Das verursachte beinahe einen epileptischen Anfall. Und die arme Antennen-Halterin hopste unter unserem Geschrei wild hin und her, damit wir rechtzeitig zum Lüften der Blousons und Ausschütteln der skulturhaften breiten Oberkörper wieder ein Bild hatten.
Mit meinem Faible für blonde Männer hatte ich schon damals ziemlich viel Auswahl ganz für mich alleine. Während sich die anderen um die rassigen Herren balgten, erfreute ich mich an jedem Quadratzentimeter von Michael Gross oder den Teams aus Nordeuropa.
Ohne ihn wüsste ich nicht, was Schmetterlingsschwimmen ist. Warum das bis heute keine Kategorie in Frauen-Pornos geworden ist, wird mir ewig ein Rätsel bleiben.
Aber ich denke gerne zurück an diese Zeit. Eine Zeit der Gemeinschaft. Eine Zeit, in der man noch viel Zeit mit echten Menschen im selben Raum verbracht hat. Eine Zeit, in der man lebendig und fröhlich über winzige Events plaudern konnte. Und eine Zeit, in der es nicht nur den Tennisarm gab, sondern auch den Antennenarm.
